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Soziologie und Methodenlehre

Ergebnisse der Klausur "Multivariate Analyseverfahren" vom 7.2.17

Die Ergebnisse der Klausur "Multivariate Analyseverfahren" vom 7.2.17 befinden sich auf der Seite der Veranstaltung im passwortgeschützen Teil.

Der Lehrstuhl für Soziologie und Methodenlehre ist wesentlich für die methodische Ausbildung am Institut - insbesondere im Bachelor - verantwortlich. Dem Lehrstuhl zugeordnet ist zudem Dipl. Phys. Stephan Poppe, der für die Statistikausbildung im Bachelor am Institut und für den PC-Pool zuständig ist.

Lehrstuhlinhaber:

Mitarbeiter Lehre:

Mitarbeiter Forschung:

Hilfskräfte:

Qualifikationsarbeiten am LS für Soziologie und Methodenlehre


Der folgende Text informiert über die Möglichkeiten und Erfordernisse einer Qualifikations­arbeit (Bachelor- oder Masterarbeit) am Lehrstuhl, soweit diese nicht schon durch die Prüfungsordnung geregelt sind.


Erfordernis und Vorschlag für alle Qualifikationsarbeiten

  • Erfordernis: Die Ausrichtung des Lehrstuhls auf Methoden der empirischen Sozialforschung führt dazu, dass alle Qualifikationsarbeiten ein quantitativ empirisches Element aufweisen müssen.
  • Vorschlag: Ein zentrales methodologisches Element aller Wissenschaften ist die intersubjektive Über­prüfbarkeit ihrer Erkenntnisse. Diese sollen weder von der Person des Forschenden, noch von der spezifischen Forschungssituation abhängig sein. Vielmehr sollen die Ergebnisse von ande­ren Forschenden in anderen Kontexten wiederholbar sein. Ansonsten müssen sie zurückge­wiesen werden. Für den Bereich des Sozialen, der eine - verglichen etwa mit den Naturwis­senschaften - eine hohe Variabilität aufweist gilt dies in besonderem Maße und Replikationen sind deshalb in der Soziologie besonders angebracht. Allerdingswird dies selten gemacht, weshalb hier Nachholbedarf besteht. Weiter sind Replikationen aus didaktischen Gründen eine dankbare Aufgabe. Bereits zu Beginn der Qualifikationsarbeit ist die Fragestellung klar und der damit verbundene Forschungsaufwand und die Methoden überblickbar. Dies spart den Studierenden Zeit und Ressourcen und mini­miert damit die Gefahr den (zeitlichen) Vorgaben der Prüfungsordnung nicht zu genügen. Gleichzeitig ermöglichen Replikationen den Studierenden sich an aktuellen, fortgeschrittenen (statistischen) Verfahren zu versuchen und damit ein Forschungsergebnis zu erzielen, dass nicht von vornehereinfür die Schublade produziert wird.
    Deshalb wird für Qualifikationsarbeiten nahe gelegt, diese als Replikationen beste­hender Forschungsarbeiten anzulegen.

Als nächstes wird ausgeführt was dieses Erfordernis und Möglichkeiten konkret für Bachelor- und Masterarbeiten bedeutet, bzw. welche Möglichkeiten sich aus dem Vorschlag ergeben.


Bachelorarbeiten

Wegen der beschränkten Bearbeitungszeit (23 Wochen) und Länge der Arbeit (ca. 30 Seiten Text) sollten Bachelorarbeiten keine eigene Primärdatenerhebung beinhalten. Aus denselben Gründen sind Replikationen besonders für Bachelorarbeiten geeignet.


Replikationen als Bachelorarbeiten können in zwei Formen unternommen werden:

  • Replikation eines Artikels mit den Originaldaten: In den quantitativ-empirischen Sozialwissenschaften gilt es als gute Praxis, Datensätze in verwendbarer Form der Forschungsöffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Bei Projekten, die mit öffentlichen Geldern gefördert wurden, ist dies sogar Pflicht. Diese Datensätze können bei GESIS oder bei den Autoren bezogen werden. Viele Artikel basieren zudem auf großen öffentlichen Datensätzen wie ALLBUS, SOEP, ISSP, Mikrozensus etc. und sind direkt verfügbar. Eine Replikation eines Artikels mit den Originaldaten ist dabei weder langweilig noch einfach. Immer wieder zeigt sich, dass die Originalartikel - oft grobe - Fehler enthalten deren Aufdeckung spannend und lehrreich ist.
     
  • Replikation eines Artikels mit Sekundärdaten: Statt der Originaldaten werden hierzu Sekundärdaten (verfügbar z.B. bei den im vorangehenden Punkt beschriebenen Quel­len) verwendet. Dieses Vorgehen ist aufwändiger und erfordert einen besonderen Ein­satz, da passende Datensätze bekannt sein, bzw. gesucht werden müssen. Es sollte nur von Bachelorkandidaten mit überdurchschnittlich guten Kenntnissen in Methoden und v.a. Statistik gewählt werden, denen potenzielle Datensätze bereits bekannt sind. Alternativ können auch nur ausgewählte Hypothesen eines Artikels überprüft werden. Falls keine Replikation mit eigener empirischer und statistischer Arbeit unternommen werden soll, bietet sich das folgende Vorgehen für eine Bachelorarbeit an:
     
  • Literaturarbeit mit Hypothesenbildung und empirischem Design: Dieses Vorgehen kann für jede beliebige Fragestellung gewählt werden, die prinzipiell mit einem quan­titativ-empirischen Vorgehen beantwortet werden kann. Es besteht darin den Stand der Forschung für eine Fragestellung zusammenzutragen. Entscheidend ist dabei die quantitativ-empirische Literatur zur Fragestellung zu sammeln, zu sortieren und zu interpretieren. Falls die Forschungsfrage damit umfassend beantwortet werden kann soll dies geschehen. Falls sich eine Forschungslücke ergibt, soll diese in hypotheti­scher Form benannt werden und ein quantitativ-empirisches Forschungsdesign skiz­ziert werden, dass diese Forschungslücke füllen könnte.

Bachelorarbeiten, die einen höheren Aufwand bedingen, als die beschriebenen Vorgehenswei­sen, sind die absolute Ausnahme und können nur in Angriff genommen werden, wenn die erforderlichen empirischen und statistischen Kenntnisse belegt sind.

Masterarbeiten

Für Masterarbeiten ist es erforderlich, dass eigenständige empirische und / oder statistische Arbeit geleistet wird. Dies kann in verschiedenen Formen geschehen:

  • Replikation eines Artikels mit Sekundärdaten: Statt der Originaldaten werden hierzu Sekundärdaten (verfügbar z.B. bei den Autoren, GESIS, Allbus, SOEP, ISSP, Mikro­zensus etc.) verwendet, die entsprechend operationalisiert werden können. Dieses Vorgehen ist keinesfalls trivial und führt sowohl zu inhaltlichen, wie auch methodi­schen Einsichten. Gleichzeitig sind der erforderliche Aufwand und der zeitliche Ablauf gut einschätzbar.
  • Replikation eines Artikels mit repliziertem Design, aber selbst erhobenen Daten: Die Idee dieses Vorgehens besteht darin, mit den Angaben im Originalartikel eine eigene Datenerhebung zu machen und eine oder mehrere Hypothesen auf Grund dieser Daten zu replizieren. Aufgrund der zeitlichen, personellen und finanziellen Ressourcen ist dieses Vorgehen wesentlich für Laborexperimente (auch Classroom-Experimente), Feldexperimente, kleinere Inhaltsanalysen und Beobachtungen, sowie Surveys, die von einer Person durchgeführt werden können (schriftliche Befragungen, Online-Surveys) angezeigt. Für alle Formen können finanzielle Mittel durch den Lehrstuhl bereitge­stellt werden. Insbesondere für Laborexperimente steht zudem der PC-Pool inklusive der Expertise des Lehrstuhls (z-tree Programmierung) zur Verfügung.
  • Replikation eines Artikels mit eigenem Design und selbst erhobenen Daten: Hierbei wer­den eine oder mehrere Hypothesen eines Artikels mit einem eigenen Design und eigener Datenerhebung repliziert. Im Vordergrund stehen dabei Designs, die einen geringeren Aufwand als die Originaldesigns erfordern (bspw. schriftliche oder Online-Befragung statt persönlicher Interviews, (Online-)Vignettenbefragungen statt Feldex­perimenten, etc.). Falls die Ergebnisse des Originalartikels nicht zufällige Einzelfälle sind, müssten dieselben inhaltlichen Tendenzen auch mit anderen - angemessenen - Designs erzielt werden.

Falls auf eine Replikation verzichtet wird kann auch jede andere Fragestellung, die einer quantitativ-empirischen Überprüfung zugänglich ist, als Masterarbeit angegangen werden:

  • Eigene Fragestellung und Bearbeitung mit Sekundärdaten: Mit Hilfe von frei verfügba­ren Sekundärdatensätzen (GESIS, Allbus, SOEP, ISSP, Mikrozensus etc.) oder prozessproduzierten Daten können eigene Fragestellungen bearbeitet werden, sofern eine sinnvolle Operationalisierung mit den vorhandenen Daten möglich ist.
  • Eigene Fragestellung mit eigener Datenerhebung: Bei diesem Vorgehen ist insbeson­dere der zeitliche Rahmen im Auge zu halten. Regelmäßig wird der zeitliche Aufwand für eine Primärerhebung unterschätzt. Die Anmeldung zu Masterarbeit sollte deshalb erst dann geschehen, wenn die Datenerhebung bereits erfolgt, oder zumindest mit kei­nerlei Fragezeichen mehr behaftet ist.

Für Masterarbeiten besteht in jeder der skizzierten Vorgehensweisen bei entsprechender Qua­lität die Möglichkeit, den Text in Form eines Arbeitsberichts (Umfang 20-30 Seiten) in der Reihe des Instituts zu veröffentlichen. Dieser Arbeitsbericht kann auch als Grundlage für eine spätere Publikation dienen.

Mögliche Themen für Qualifikationsarbeiten

Artikel für Replikationen

 

Im Labor:

  • Fehr E. und S. Gächter, 2000. "Cooperation and Punishment in Public Goods Experiments," American Economic Review, 90: 980-994. (Nur eigene Datenerhebung)

Im Feld:

  • Keizer K., S. Lindenberg und L. Steg, 2008. The Spreading of  Disorder. Science 312: 1681--1685. (Z.B. bei Fahrradabstellplätzen an der Uni) 

Weitere mögliche Fragestellungen und Themen

  • Es wird vermutet, dass echte, aber auch fotografierte oder sogar gemalte Augenpaare einen Effekt des Beobachtetseins auslösen. Dies kann überprüft werden, indem bei schriftlichen Befragungen zu heiklen Themen, Augenpaare auf dem Fragebogen gedruckt werden. Diese können auch systematisch variiert werden. Die Hypothese lautet, dann das mit Augenpaaren ehrlichere Antworten gegeben werden, als ohne. Eine Überprüfung kann z.B. mit einem Online-Panel geschehen.
  • Um Reputationeffekte bei Online-Plattformen wie eBay zu testen wird normalereweise der Effekt eines Reputationsindices auf den zustandegekommenen Kauf (tatsächlicher Preis, etc.) untersucht. Der tatsächliche Reputationseffekt bezieht sich jedoch auch auf alle Interaktionen, die nicht in einem Kauf endeten und deshalb normalerweise nicht beobachtet werden. Dies können die Verkäufe sein, die nicht zustandekamen, weil der Preis zu hoch war, aber auch alle nicht realisierten Preisforderungen, die nie real wurde, weil die Auktion schon bei einem tieferen Preis beendet wurde. Diese sog. "willingness to pay (wtp)" könnte beobachtet werden, wenn eigene Auktionen konsequent selbst gewonnen werden und die wtp jeweils als vorletztes Gebot beobachtet wird.